Titel u historischer Teil der Einleitung van Dr.Heilig sind ganz irreführend

ausgefallen. (Maastricht Jan. 1931) J.Blonden

nummer 142(0/6)

 

Graubündner und Schweizer Landeskinder in niederländischen Diensten

Graubündner und andere schweizerische

Landeskinder unter Habsburgs Fahnen in

den Niederlanden während des

18. Jahrhunderts

 

Von J. Blonden und K.J. Heilig

 

Das Stadtarchiv Maastricht hat uns eine für die Geschichte schweizerischer Soldaten in den Diensten der Ausländer sehr wichtige und interessante Quelle aufbewahrt. Dort befindet sich unter der Signatur 142 ein Standesbuch dessen Überschrift auf vlämisch lautet: Regement Zwitsers geboorten en huwelyken 1717 tot 1787, d. h. Geburten und Heiraten im schweizerischen Regiment 1717 bis 1787. Es handelt sich hier um ein Regiment, das in der Hauptsache aus Schweizern, besonders aus Bündnern bestand und unter der Führung des Obristen Johann Christian Friedrich Schmid von Grüneck und eines Herrn von Salis (1) im Gebiete des heutigen Belgien und Holland auf Seiten der Österreicher focht. Über die Entstehung des Buches schreibt der Regimentspfarrer Johann Burger de Raffinis, der die ersten Einträge (von 1717 31. 1. bis 1744 1. IX.) machte, wörtlich folgendes:

          ,,Als ich 1712 im May zu dem Regiment gekommen, so hab ich kein Taufbuch können entdecken von Regimentskinderen, und als ich Herrn Maloron (2)  fragete, wo jetzt gemeltes Tauffbuch seyn möchte, so sagte er mir, da ihm von seinen Vorfahrern auch keinss sey behandigt worden, sondern dass sie und er den Getaufften Regimentskinderen zur Stunde einen Tauffschein gegeben, welches ich selbsten zur Nachfolg auch gethan habe, bisdass ich in den ehelichen Stande getreten 1717.

         1 Siehe die Nummern im Register 208 und 201.
          2 Der Vorgänger Burgers als Regimentspfarrer.  

Dazumahl gedachte ich um allen Unordnungen vor zu kommen besser zu seyn ein Tauffbuch zu machen, und zugleich ein Heimathsregister aller derjenigen, die durch meinen Dienst möchten copuliert und getaufft werden, wie hiernach folgen wird. 

          Die fürnehmste Ursach aber so mich hierzu bewogen hat ware dass Viel, ihro Attestationes von meinen Vorfahrern und mir verloren habende, zu mir kommen um anderen zu fragen auss dem Tauffbuch, welche ich ihnen nicht ertheilen könnte, sintemahlen kein Baptisterium noch liber nuptialis vorhanden war.

 

          Dieses Wenige dienet zum Bericht. Joh. Burger."

          Burgers Nachfolger im Amte waren: D.Furnier (1. November 1744 bis 11. Juli 1745), A.Anosi(4)

(Mai 1748 bis Dezember 1781), J.Grass (7. Juli 1782 bis 11. Mai 1788), Christian Bawier aus Chur (1. August 1788 bis 20. März 1791) und Lutzius Lutscher (16. Juli 1792 bis 2. Dezember 1792)(5).

 Nach dieser Zeit sind die Taufen und Ehen in ein anderes Buch eingetragen worden, welches aber verloren gegangen ist.

          Im Buch selber sind bei jeder Taufe die Paten, bei jeder Eheschliessung die Zeugen eingetragen; wir sehen von einer Veröffentlichung derselben hier ab(6).

          Die Einträge sind keineswegs lückenlos gemacht. Während Burger noch Tauf und Geburtstag bei den Kindern verzeichnete, erfährt man unter seinen Nachfolgern nur noch die Tauftage. Während der Erledigung des Amtes eines Regimentspfarrers sind keine Einträge gemacht worden, eine Lücke, die wir besonders empfinden, weil nach der für die Österreicher und Engländer unglücklichen Schlacht von Fontenoy am 11. Mai 1745 auf drei Jahre hinaus keine näheren Notizen mehr gemacht wurden. Bedenkt man dazu noch, da in einem Heere ein ständiger Wechsel von Soldaten ist, so ist klar, da das Register nicht vollständig sein konnte.

          Was das Buch besonders wertvoll macht, ist der Umstand, dass bei den einzelnen Personen, deren Lebensdaten eingetragen  

                   Siehe Nr.8.
                   5  Er schreibt: ,,Den 16. juli 1792 bin ich hir in Mastricht an-gekommen, und den 29. Juli 1792 habe ich meine Antritspredigt in der S.Mathiskirche gehalten"  
                   6  Wer die Namen der Paten erfahren will, der wende sich: aan het Gemeentearchief Maastricht Maastricht (Holland) Vrijdhof.  

werden, fast immer die Herkunft angegeben ist, wenn auch darunter nicht stets der Geburtsort des einzelnen, sondern vielmehr der Stammort der ganzen Familie zu verstehen ist. Die Mehrheit der Soldaten stammt aus der Schweiz, besonders aus Graubünden, das dem Regiment ja auch die Führer gab. Ein weiteres, als Ganzes deutlich erkennbares Truppenkontingent stellte Mitteldeutschland, vor allem das Gebied der heutigen preuischen Provinz Hessen‑Nassau und des Freistaates Hessen. Ein kleines Häuflein stammt aus dem damaligen Herzogtum Württemberg, dem Schwarzwald und Neckargebiet des heutigen Freistaates Württemberg nebst geringen Teilen vom badischen Schwarzwald. Vereinzelt sind auch noch Preuen, Polen, Österreicher und Elsässer anzutreffen, kurz die wichtigsten Nationen von ganz Nordeuropa waren in dem in der Hauptsache schweizerischen Regimente vertreten.

          Bevor wir die Namen der Bündner und Übrigen Schweizer Soldaten (die Ausländer wurden im folgenden Verzeichnis nicht berücksichtigt) und ihre Schicksale weiter verfolgen, sei ganz allgemein einiges über den Zug des Regimentes gesagt. Bekanntlich hatten in der Union von Utrecht im Jahre 1579 die protestantischen Generalstaaten von Spanien sich losgesagt, und der Westfälische Friede 1648 hatte diese Abmachung bestätigt. Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg kamen die nunmehr durch das Aussterben der Habsburger in Spanien freigewordenen spanischen Niederlande, etwa das Gebiet des heutigen Belgien und Luxemburg, an Österreich im Frieden von Rastatt 1714. So stellte sich das Gebiet, welches der Schauplatz der Züge unseres Regimentes war, zu Beginn der Aufzeichnungen im Register ungefähr folgendermaen dar:            

          Im Norden war der im wesentlichen noch heute gleich groe Staat der Niederlande; damals gehörten noch enige kleinere, jetzt holländische Gebiete zum preuischen Herzogtum Kleve und zum pfälzischen Herzogtum Jülich. Als Enklave stand die starke Festung Maastricht auf Seiten der Generalstaaten. Das heutige Belgien gehörte noch zum Deutschen Reiche und war mit Einschlu Luxemburgs österreichisches Krongut; längs der Maas schob sich das Gebiet des Hochstiftes Lüttich bis an die französische Grenze vor und spaltete dadurch die habsburgischen Lande in zwei Teile.

          In diesen Gebieten zog nun während des 18. Jahrhonderts, das an Kriegsgetümmel sehr reich war, unser Schmid-Von-Grünecksches Regiment teils im friedlichen Biwak, teils mit wehrbereiten Waffen umher. Die Route des Regimentes lät sich an Hand der als Geburts- und Trauungsorte im Registerbuch eingetragenen Namen bis ins einzelne feststellen. Danach befand sich der Truppenteil im Jahre 1717 im nordbrabantischen Breda (31. 1., 1. bis 3. XI.) Wir haben darin wohl noch einen Rest der auch nach dem Frieden von Utrecht 1714 in dem mit dem Reiche verbündeten Holland verbliebenen kaiserlichen Armee zu sehen, die ja bei Ramillies, Oudenaarden und Malplaquet unter Prinz Eugen und Marlborough gegen den französischen König Ludwig XIV. gesiegt hatte. In den nächsten Jahren, als bereits die sog. Quadrupelallianz von Deutschland, Frankreich, England und Holland gegen Philipp V. von Spanien und seine ehrgeizige Gemahlin Elisabeth Farnese von Parma sich gebildet hatte, finden wir unser Regiment im österreichischen Flandern in den Städten Ypern (1719 26. IX. bis 2. X., 1721 23. IX., 1724 29. IV.) und Menin (1722 16. II., 1723 15. VII. bis 1. XI., 1724 1./2. II., 4. XI. bis 22. XII., 1725 9. V. bis 29. V., 8. VII.). Von 1728 bis 1731 lag das Regiment in Hertogenbosch in Waffenruhe; dann zog es in den Haag. Auffallenderweise blieb das Regiment auch während des polnischen Erbfolgekrieges, der 1733-1735 in Oberitalien und am Oberrhein geführt wurde und für das Reich sehr ungünstig verlief, in der Hauptstadt des neutralen Holland untätig liegen. Bereits begann der kaiserliche Feldherr von Seckendorf durch den Sieg von Klausen bei Trier am 20. Oktober 1735 den Schauplatz des Krieges in die österreichischen Niederlande zu verlegen, als der Friede von Wien, der am 7. November ratifiziert wurde, weitere militärische Operationen, die gewi auch unser Regiment betroffen hätten, unnötig machte. Als im Sommer 1737 die Soldaten aus dem Haag ausrückten, um im österreichischen Flandern in Tournay Quartiere zu beziehen, ahnte man wohl kaum, da dieser Zug für viele des Regimentes der letzte sein werde. Als in Österreich die einzige Tochter Kaiser Karls VI. 1740 zur Regierung gekommen war, sahen die europäischen Mächte in ihrer groen Mehrzahl eine willkommene Gelegenheit, sich auf Kosten der habsburgischen Monarchie zu bereichern. Bald war die Parteistellung Preuen, Bayern, Sachsen, Spanien und Frankreich gegen Österreich, England und Holland fertig. Bereits am 16. Dezember 1740 standen mitten im Frieden die Truppen des Preuenkönigs Friedrich II. auf österreichisch‑schlesischem Boden. Acht Jahre hatte Österreich sich gegen eine Übermacht zu wehren. Nachdem unser Regiment nach einem etwa einjährigen Aufenthalt in Tournay bis 1743 in Ypern und 1743 -- 45 in Mons verweilt hatte, ohne im offenen Felde kämpfen zu müssen, kam es zu Beginn des Jahres 1745 zu heftigen Kämpoen in Flandern. Moriz von Sachsen machte im Dienste des Franzosenkönigs Ludwig XV. anfangs Bewegungen, als ob er mit einem Heere von 80.000 Mann Mons augreifen wolle, rückte aber dann plötzlich auf Flanderns stärkste Festung Tournay los. Um die Festung, in welcher 9.000 Holländer eingeschlossen waren, zu entsetzen, rückte der Herzog von Cumberland von Brüssel her mit 50.000 Mann, darunter 8.000 Österreicher und auch unser Regiment. Beim Dorfe Fontenoy kam es am 11. Mai zur Schlacht, die nach zähem Ringen für die Franzosen, deren König daran teilnahm, siegreich ausging. Tournay war verloren; es ergab sich am 22. Mai; in rascher Folge fielen Gent, Brügge, Oudenarde, Dendremonde, Ostende, Neuport und Ath. Im Oktober war Ost- und Westflandern im Besitze der Franzosen. Den Januar 1746 verbrachte unser Regiment in Brüssel. Am vorletzten Tage desselben überrasche Moriz die Stadt und nahm 7.000 Österreicher gefangen. Die Soldaten unserer Truppe zogen sich über Antwerpen, Charleroi, Namur, Ans und Raucoux (Schlacht am 11. Oktober) auf Maastricht zurück. Französische Truppen gingen im April 1747 auf das Gebiet der Niederlande und nahmen Sluis, Sas van Gent und das Fort Philippine. Nach der für die Verbündeten verloren Schlacht von Lavelt bei Maastricht am 2. Juli zog sich das geschlagene Regiment auf Maasfestung zurück, während die Franzosen im September Bergen op Zoon nahmen. Als im Frühjahr 1748 wieder die Feindseligkeiten begannen, befand sich unser Regiment in Maastricht; am 3. April schlo Moriz von Sachsen es in der Festung ein. Doch war man inzwischen auf beiden Seiten des Streitens müde geworden. Am 30. April kam es zu einem Präliminarfrieden zwischen England und Holland einerseits und Frankreich andererseits. Maastricht war ausdrücklich vom Waffenstillstand ausgenommen; die Belagerung sollte fortgesetzt werden. Erst am 3. Mai wurde der Friede auch auf Maastricht ausgedehnt. Moriz verlangte, da die weie Flagge gehit werde, und zog am 7. Mai in die Stadt ein. Im Oktober wurde der Friede durch den Aachener Vertrag endgültig.

          Während der nun folgenden Friedensjahre 1748 bis 1754 und während des Siebenjährigen Krieges hielt sich unser Regiment beständig im Gebiete der Generalstaaten auf. Auch als Prinz Ferdinand von Braunschweig im Jahre 1758 bei Krefeld die Franzosen zurückwarf. rührte es sich nicht. Über die ferneren Märsche unterrichtet die Karte. Nach einem Aufenthalt in Namur in den Jahren 1770 -- 72 scheint unser Regiment auf Urlaub gewesen zu sein; wenigstens sind im Jahre 1772 nicht weniger als fünf kirchliche Funktionen in Bern erfolgt. 1773 befanden sich die Mannschaften wieder in Maastricht. Als dann am 20. April 1792 der unglückliche König Ludwig XVI. von Frankreich, durch Dumouriez gedrängt, seinem Neffen, dem Kaiser Franz II. von Österreich, den Krieg erklärte, lag unser Regiment in Haarlem. Wie es in die nun in rascher Folge ganz West- und Mitteleuropa umgestaltenden Kämpfe eingriff, darüber lät uns unsere Quelle im Stich. Das Buch, in welches der neu zum Regiment gekommene Luzius Lutscher seine Einträge machte, ist uns nicht mehr erhalten. Aber schon diese acht Jahrzehnte Regimentsgeschichte lassen uns einen Blick tun in die Kriegsverhältnisse von damals und berichten uns vom Leben und Treiben der Schweizersöhne, die, am Quell des Rheines aufgewachsen, drunten, wo er in langsamem, trägem Lauf seine Fluten in den Ozean ergiet, unter den Fahnen der Habsburger fochten, deren Stammburg sie in ihrem Heimatlande stehen hatten.

 *       *            *  

          Das nachfolgende Register ist nach einem besonderen Alphabet angelegt, da die historische Schreibung des Hochdeutscher, Ladinischen. Italienischen. Vlämischen und Französischen zu berücksichtigen ist. Danach gestaltet sich das Alphabet folgendermassen:  

A9B.P), (C. CH, K, Q,Z), (D, T), E (F,V),G, H (I, J, Y), L, M, O, R, S, U, W, X, Dehnang bzw. Schärfung durch Doppellaut onder Dehnungs-h ist nicht berücksichtigt tz == ZZ; ä, ö und bei a, o und u: j == i.

 < Kaart >

Marschrouten

1721
1725
1728
1731
1737
`738
1743
1745
1746
1748
1749
1750
1752
1753
1754
1755
1756
1758
1759
 
 
1763
1764
1765
1767
1768
1769
1770
1772
1773
1780       
1785        (Nijmegen)-Maastricht Heusden/Waspik
1786        Bergen
1789/90    Naarden
1792        Haarlem